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Bindungstheorie für Männer: Warum du im Streit dichtmachst und wie du in Beziehung bleibst

  • Autorenbild: Carlson El Murtadi; M.Sc.
    Carlson El Murtadi; M.Sc.
  • 10. Jan.
  • 5 Min. Lesezeit

Du willst keinen Streit.


Du willst Ruhe. Respekt. Frieden.

Und trotzdem passiert es immer wieder: Sie will reden und in dir geht etwas zu.


Du wirst still. Du schaust weg. Du gehst raus. Oder du wirst kurz, hart, genervt.

Später fragst du dich: Warum eskaliert das so schnell?


Warum fühlt sich Beziehung manchmal an wie ein Test, den du nicht bestehen kannst ?


Die Bindungstheorie liefert eine klare Antwort:


Rückzug ist bei vielen Männern kein Desinteresse. Rückzug ist ein Schutzreflex.


Und genau dort beginnt Veränderung.


Bindungstheorie für Männer: Warum du im Streit dichtmachst und wie du in Beziehung bleibst
Bindungstheorie für Männer: Warum du im Streit dichtmachst und wie du in Beziehung bleibst

Was ist Bindungstheorie und warum betrifft sie dich als Mann?


Bindungstheorie (Bowlby/Ainsworth) beschreibt ein Grundprinzip:


Menschen brauchen Verbindung, um sich sicher zu fühlen. In Stressmomenten sucht unser Nervensystem Nähe oder es schützt sich durch Distanz.


Das gilt nicht nur für Kinder. Das gilt auch für dich, wenn du erwachsen bist und besonders dann, wenn du liebst.


Denn in einer Paarbeziehung ist die andere Person nicht nur Partnerin.


Sie ist auch: Sicherer Hafen. Spiegel. Risiko. Zuhause.


Und wenn dieses Zuhause wackelt, reagiert dein System.

Nicht theoretisch.

Körperlich.


Warum Männer im Konflikt so oft abschalten


Viele Männer berichten in Beratungsgesprächen denselben Ablauf:


  1. Die Partnerin bringt ein Beziehungsthema („Ich fühle mich allein.“)

  2. Der Mann hört Kritik, auch wenn keine gemeint ist („Ich mache es nicht richtig.“)

  3. Stress steigt innerlich, körperlich

  4. Er geht in Rückzug oder in Härte

  5. Sie wird intensiver

  6. Er wird noch distanzierter

  7. Eskalation


Was von außen aussieht wie:


„Er ist kalt.“


fühlt sich innen oft an wie:


„Ich werde überflutet.“


Typische Gedanken in diesem Moment:


  • Was soll ich jetzt sagen?

  • Egal was ich sage, es ist falsch.

  • Ich hab’s satt, mich rechtfertigen zu müssen.

  • Wenn ich bleibe, eskaliert es.

  • Ich muss raus.


Das ist nicht mangelnde Liebe.

Das ist ein Nervensystem, das auf Schutz schaltet.


Der Kern: Viele Männer reagieren auf Nähe mit Druck nicht, weil sie Nähe nicht wollen


Hier kommt eine Wahrheit, die viele Beziehungen rettet:


Männer ziehen sich oft nicht zurück, weil ihnen die Partnerin egal ist. Sie ziehen sich zurück, weil Nähe in Konflikten wie ein Angriff auf ihre Kompetenz wirkt.


Und wenn Kompetenz wackelt, kommt Scham.


Scham ist das Gefühl:


„Ich bin nicht gut genug.“


Viele Männer kennen Scham nicht als „Gefühl“.


Sie kennen sie als:


  • Genervtheit

  • Abwehr

  • Rückzug

  • Härte

  • Gleichgültigkeit

  • Arbeit, Handy, Sport, „irgendwas anderes“


Bindungstheorie hilft, das zu entknoten: Nicht „Was stimmt nicht mit mir?“ sondern:


„Was schützt mein System gerade?“


Der Bindungstanz: Wenn sie Nähe sucht und du Distanz brauchst


In vielen Paaren entsteht ein Muster, das immer gleich aussieht:


Sie: „Näher ran“

Wenn sie Distanz spürt, wird sie aktiver:

  • sie fragt nach

  • sie sucht Kontakt

  • sie wird emotionaler

  • sie wird deutlicher

  • sie sagt Dinge wie: „Du bist nie da.“


Ihr System sagt: „Hol ihn zurück.“


Du: „Weiter weg“

Wenn du Druck spürst, wirst du passiver:

  • du schweigst

  • du gehst raus

  • du wirst sachlich

  • du machst zu

  • du sagst: „Ich brauche Ruhe.“


Dein System sagt: „Raus hier, sonst eskaliert es.“


Und dann passiert das, was beide zerstört:


Je mehr sie zieht, desto mehr fliehst du.

Je mehr du fliehst, desto mehr zieht sie.


Das ist kein Charakterproblem.

Das ist ein Bindungs- und Regulationskreislauf.


Bindungsstile: Die zwei häufigsten Muster bei Männern


Bindungstheorie spricht nicht von „Typen“, sondern von Strategien, die irgendwann gelernt wurden.


1) Unsicher-vermeidende Bindungsstrategie (häufig bei Männern)


Typisch:

  • Autonomie ist sehr wichtig

  • Gefühle werden minimiert

  • Konflikte werden „abgekürzt“

  • Nähe wird schnell als Druck erlebt

  • Rückzug wirkt wie Frieden, ist aber oft Abbruch


Wichtig: Vermeidung ist selten Arroganz. Vermeidung ist oft eine alte Lösung für:


„Wenn es emotional wird, bin ich allein.“


2) Unsicher-desorganisierte Bindungsstrategie (wenn Trauma/Überforderung mitschwingt)


Typisch:

  • Nähe wird gesucht und gefürchtet

  • du willst Verbindung, aber du sabotierst sie

  • du wirst schnell wütend oder schämst dich

  • du bist mal sehr nah, dann plötzlich ganz weg


Dieses Muster braucht oft mehr Unterstützung, weil es sich „extrem“ anfühlt für beide.


Was Männer oft falsch glauben: „Ich muss einfach mehr reden“


Viele Männer denken:„Sie will, dass ich mehr rede.“


Und ja, Beziehung braucht Worte.


Aber: Worte helfen nur, wenn du nicht im Schutzmodus bist.

Wenn dein System dichtmacht, ist die Reihenfolge anders:


  1. Runterregulieren

  2. Kontakt halten

  3. Dann sprechen


Der Hebel ist nicht „mehr Kommunikation“.

Der Hebel ist: Präsenz im Stress.


Der Satz, der Beziehungen rettet: Raum nehmen ohne abzubrechen


Hier ist der entscheidende Unterschied, den viele Männer lernen müssen:


Rückzug ohne Kontakt wirkt wie Verlassen.

Rückzug mit Kontakt wirkt wie Selbstführung.


Wenn du Raum brauchst, sag nicht nur „Lass mich“


.Sag einen Satz, der Verbindung hält:


  • „Ich merke, ich mache gerade zu. Ich brauche zehn Minuten aber ich komme zurück.“

  • „Mir ist das wichtig. Ich bin nur gerade überfordert.“

  • „Ich will das klären. Lass mich kurz runterkommen, dann bin ich da.“


Und dann kommt der wichtigste Teil: Du kommst zurück.

Das ist erwachsene Bindung.


Fazit: Bindungstheorie ist für Männer ein Werkzeug – kein Etikett


Bindungstheorie erklärt, warum du in Beziehung manchmal dichtmachst, obwohl du Liebe empfindest.


Sie macht aus „Ich bin kaputt“ etwas Neues: „Ich habe ein Muster. Und ich kann es verändern.“


Du musst nicht lernen, ein anderer Mann zu werden. Du musst lernen, im Stress nicht zu verschwinden.


Denn Beziehungen scheitern selten an zu wenig Liebe.

Sie scheitern an zu wenig Sicherheit.


Und Sicherheit entsteht dort, wo du als Mann sagen kannst:


„Ich bin gerade überfordert aber ich bleibe.“



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Hinweis: Aus rechtlichen Gründen weise ich darauf hin, dass bei den beschriebenen Therapieformen kein Heilversprechen gegeben werden kann.



 
 
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